
CO₂ einfangen statt freisetzen
Bei der thermischen Verwertung von Restmüll entsteht Wärme – und biogenes und fossiles CO₂. Damit es nicht in die Atmosphäre gelangt, setzen wir auf CO₂-Abscheidung. Das Verfahren trennt CO₂ aus dem Rauchgas, danach wird es verflüssigt transportfähig gemacht – das bildet die Basis für die Speicherung und Nutzung von CO₂. Die CO₂-Abscheidung stellt damit einen wesentlichen Baustein zur Dekarbonisierung und langfristigen Transformation der thermischen Abfallbehandlung dar.
Thermische Abfallverwertung bleibt unverzichtbar
Die thermische Abfallverwertung gewährleistet die langfristige Entsorgungssicherheit für Hamburg. Darüber hinaus bleibt sie unverzichtbar für die Kreislaufwirtschaft, indem sie mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllt: Sie zerstört Schadstoffe, reduziert das Abfallvolumen, erzeugt Energie und minimiert Umweltbelastungen. Gleichzeitig können Metalle aus Schlacke zurückgewonnen und Nebenprodukte wie Gips und Salzsäure weiter genutzt werden. Sie ist aktuell die einzige etablierte Technologie zur Behandlung nicht recycelbarer Abfälle – und damit alternativlos.
Allerdings entsteht beim Verbrennungsprozess zwangsläufig CO₂. Konkret bedeutet das: Pro Tonne thermisch verwertetem Restmüll wird rund eine Tonne CO₂ freigesetzt.
CO₂-Abscheidung: Unser Schlüssel zum Ziel
Unser Ziel ist es, bis 2035 klimaneutral zu werden. Die Klimabilanz des SRH-Konzerns zeigt: Rund 75 Prozent unserer fossilen CO₂e-Emissionen stammen aus thermischen Abfallverwertungsanlagen.
Für die Zielerreichung ist es entscheidend, dass wir das entstehende CO2 aus der thermischen Abfallverwertung abscheiden, bevor es in die Atmosphäre gelangt.
Die Grafik skizziert den kompletten Weg des CO₂ – von der thermischen Abfallverwertung bis zur Speicherung oder Nutzung des CO₂:
- Abfallverwertung und CO2-Abscheidung
Nachdem wir die Abfälle thermisch verwertet haben, wird das daraus freigesetzte CO2 aus dem Rauchgas abgeschieden. Dies geschieht mithilfe eines Waschverfahrens. - Vorbereitung für den Transport
Das abgeschiedene CO2 wird anschließend verdichtet. Dadurch wird es verflüssigt und kann lokal zwischengespeichert werden. - Transport
Das verdichtete CO2 wird per Pipeline, Schiff, Bahn oder LKW transportiert. Danach gibt es zwei mögliche Wege für das CO2: Speicherung oder Nutzung des CO2. - CCS (Carbon Capture and Storage) - Speicherung des CO2
Zur dauerhaften Speicherung wird CO₂ in geologischen Formationen tief unter der Erde eingelagert. - CCU (Carbon Capture and Usage) - Nutzung des CO2
Abgeschiedenes CO2 wird als Ressource oder Rohstoff eingesetzt, um Produkte herzustellen. Beispiele hierfür sind synthetische Kraftstoffe oder Grundstoffchemikalien.
Bei der Stadtreinigung Hamburg sollen die ersten beiden Prozessschritte stattfinden, also die CO2-Abscheidung aus dem Rauchgas und die Vorbereitung für den Transport. Um dies zu ermöglichen, braucht es eine CO2-Abscheideanlage.
Wichtige Schritte zur Umsetzung
Die großtechnische Umsetzung einer CO₂-Abscheidung an bestehenden Anlagen ist komplex, energie- und kostenintensiv und erfordert eine sorgfältige Prüfung. Um von der Studienphase in die Umsetzung zu kommen, setzen wir folgende Schritte um:
Machbarkeitsstudie
Für die Abscheidung von CO₂ stehen verschiedene technische Verfahren zur Verfügung. In Machbarkeitsstudien prüfen wir, ob und unter welchen rechtlichen, wirtschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen eine CO₂-Abscheidung an unseren Anlagen möglich ist. Die Studie für die MVR ist abgeschlossen, für das ZRE ist diese aktuell in Arbeit.
Für die MVR zeigt die erste Machbarkeitsstudie auf, dass die Post-Combustion-Technologie mit chemischer Absorption einen technisch vielversprechenden Ansatz darstellt. Zur weiteren Einordnung soll eine technische Erprobung erfolgen, die im Rahmen des Projekts zur Pilotanlage PARCO₂UR vorgesehen ist.
Pilotanlage
Als zentralen Schritt für die Planung einer großtechnischen Anlage sehen wir die Anschaffung und den Betrieb einer Pilotanlage. Sie dient dazu, Fachwissen aufzubauen, praktische Erfahrungen mit der Betriebsweise einer CO₂-Abscheideanlage und dem ausgewählten Verfahren zu sammeln und gleichzeitig wirtschaftliche Risiken zu reduzieren.
Die finanzielle Förderung für ein Pilotprojekt zur Abscheidung und Nutzung von CO₂ an der MVR ist bestätigt. Das Projekt ist 2026 gestartet.
Großtechnische Umsetzung
Die bisherigen und aktuellen Schritte haben das Ziel, dass wir am Ende eine großtechnische Anlage umsetzen können, um unser Klimaziel zu erreichen. Zusätzlich ermöglicht die Abscheidung und Speicherung biogener CO₂-Emissionen die Erzeugung sogenannter Negativemissionen, die verbleibende fossile Restemissionen ausgleichen können.
Für die großtechnische Umsetzung müssen noch regulatorische Rahmenbedingungen geklärt, Finanzierungsmodelle definiert und die notwendige Infrastruktur aufgebaut werden.
Das Projekt zur Pilotanlage: PARCO₂UR
Wofür steht PARCO₂UR?
Das Projektakronym setzt sich aus dem Projekttitel zusammen: Prozessoptimierungen der Abscheidung und Rückgewinnung von CO2 für eine umweltfreundliche Ressourcennutzung
Im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprojektes PARCO2UR soll die CO2-Abscheidung aus dem Rauchgas der MVR mittels der Aminwäsche-Technologie experimentell im Langzeit-Betrieb untersucht werden. Dabei stehen insbesondere die Stabilität des Verfahrens, Effizienz und Einflüsse auf die Umwelt im Fokus. Darüber hinaus soll das abgeschiedene CO2 anschließend zur Erzeugung von Ölsäure genutzt werden, um Perspektiven für eine Kohlenstoff-Kreislaufwirtschaft zu demonstrieren.
Grafik: Integration der Pilotanlage in die MVR
Das Projektkonsortium besteht aus der Stadtreinigung Hamburg mit ihrem Tochterunternehmen MVR, dem Institut für Energieverfahrenstechnik und Dynamik in Energiesystemen der Universität Stuttgart (wissenschaftliche Begleitung) und dem Hamburger Startup COLIPI (CO2-Verwerter).
Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.
Weitere Informationen


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